Diktator als „Möchtegern“ beleidigt

Erdogan zeigt Oppositionsführer Kilicdaroglu an

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ANKARA – Betrübt sah man Erdogan gestern seinen Thron verlassen, nachdem er eine der schwersten Pressekonferenzen seiner Karriere gegeben hatte. Seit Sommer letzten Jahres wurde der türkische Machthaber nicht mehr mit Beleidigungen dieses Ausmaßes konfrontiert. Damals erstattete er Anzeige gegen Kemal Kilicdaroglu, als dieser Erdogans neuen, wunderschönen Regierungssitz verunglimpfte indem er sagte, dass der Palast goldene Klodeckel habe. „Jeder weiß doch, dass Platin viel teurer ist“, entgegnete der Erdogan damals.
Selbiger Oppositionsführer machte gestern erneut durch grobe Beleidigungen auf sich aufmerksam. „20 Intellektuelle und Wissenschaftler, die ihre Meinung sagten, wurden einer nach dem anderen von einem Möchtegern-Diktator gefangen genommen.“ Mit diesen Worten wollte Kilicdaroglo seinen Kollegen provozieren. Durch die Häufung solcher Anschuldigungen ist irgendwann auch ein gelassener und in sich ruhender Politiker gekränkt. „Ich bin ein vollwertiger Diktator“, betonte Recep Tayyip Erdogan empört, während er mit dem Fuß auf den Boden stampfte. „Und es waren 21 Wissenschaftler!“
Wegen der „außerordentlichen“ schwere der Beleidigung drohen Kilicdaroglo nun bis zu vier Jahren Haft. „Wieso sagt er nur immer so etwas? Was habe ich ihm denn getan?“, entgegnete Erdogan ohne Verständnis für sein Gegenüber, während er den Haftbefehl erließ. Zustimmung für den vollwertigen Diktator kommt auch aus den Reihen europäischer Spitzenpolitiker. „Seine Reaktion ist vollkommen nachvollziehbar. Ich hätte bei derartigen Anschuldigungen genauso gehandelt“, so Angela Merkel.

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